Geschichte

Geschichtliche Entwicklung Schondorf am Ammersee
(Autor: Guido Treffler)
Lage (Geographie, Verkehrsverbindungen)
Schondorf liegt am Westufer des Ammersees. Im Laufe des 20. Jahrhunderts aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Unter- und Oberschondorf zusammengewachsen, zieht sich die Wohnsiedlung etwa 2,5 km am Ammersee entlang. Nach Westen steigt der Ort bis auf 585 m ü. NN an. Schondorf liegt 3 km von der BAB 96 entfernt und besitzt einen Bahnhof an der Bahnlinie Augsburg - Weilheim. Von Ostern bis Ende Oktober laufen auch die Schiffe der Bayerischen Seenschifffahrt Schondorf an.
Ortsbild
Von Norden kommend dominiert die auf einem Höhenzug stehende alte Pfarrkirche St. Anna das Schondorfer Ortsbild. In Seenähe wirken vor allem zahlreiche Villen prägend, während in Oberschondorf noch einige ehemalige bäuerliche Anwesen an die früher landwirtschaftliche Struktur des Ortes erinnern. Auffällig ist auch der den gesamten Ort prägende Baumbestand.
Archäologie
Erste Siedlungsspuren reichen bis in die Hallstattzeit (750-450 v. Chr.) zurück. Vierzehn Hügelgräber im Weingarten deuten auf eine Besiedelung in dieser Zeit hin. Ein bedeutendes Bodendenkmal aus der Zeit der römischen Herrschaft wurde im Bereich des heutigen gemeindlichen Badeplatzes im Jahr 1924 ausgegraben. Dabei handelt es sich um eine 20 m x 7,5 m große Badeanlage einer römischen Villa aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Dass die Schondorfer Flur nach dem Ende der Römerherrschaft im Zeitraum zwischen 500 und 700 n.Chr. wieder besiedelt wurde, darauf deuten Skelettfunde mit Beigaben und eine Lanzenspitze in Oberschondorf hin.
Herrschaftsgeschichte
Im frühen Mittelalter lag Schondorf im Machtbereich des Adelsgeschlechts der Huosi. Ein Mitglied dieses Geschlechts, Graf Engildeo, schenkte seinen Besitz in Schondorf um 750 an das Kloster Benediktbeuern. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts erscheinen die Grafen von Dießen-Andechs und ihre Dienstmannen in Gestalt eines Konrad von Schondorf als Inhaber der weltlichen Herrschaft. Nach dem Aussterben der Andechser 1248 und der Älteren Linie der Schondorfer traten die Wittelsbacher in deren Rechte ein. Die Grundherrschaft über zahlreiche Oberschondorfer Güter erbt das Augustinerchorherrenstift Dießen. Nach der Gründung des Klosters Andechs gingen die Unterschondorfer Fischlehen und grundherrliche Rechte über Güter am See nach und nach an das Kloster über, das zum größten Grundherrn in Unterschondorf wurde. Im 15. Jahrhundert wechselte die weltliche Herrschaft einige Male, ehe Erhard von Perfall, Burgvogt zu Greifenberg, 1507 endgültig die Herrschaft erlangte. Ober- und Unterschondorf wurden Teil der Hofmark Greifenberg, die Perfall übten die niedere Gerichtsbarkeit bis 1848 über die Einwohner beider Dörfer aus. Um 1750 war Oberschondorf mit 66 Anwesen das größte Dorf innerhalb der Hofmark. Unterschondorf zählte damals 40 Anwesen. Mit der Aufhebung der Klöster Dießen und Andechs in der Säkularisation 1803 gingen die grundherrlichen Rechte an den bayerischen Staat über. 1809/11 wurden auf der Grundlage des Steuerdistrikts die eigenständigen Gemeinden Ober- und Unterschondorf gegründet. Die Aumühle wurde der Gemeinde Unterschondorf zugeteilt.
Kirchengeschichte
Wann Schondorf erstmals eine eigene Kirche hatte, ist nicht überliefert. Doch erlauben Funde aus der Reihengräberzeit (um 700) sowie das ursprüngliche Patrozinium St. Martin den Rückschluss auf die Existenz einer Kirche in Oberschondorf im frühen 8. Jahrhundert. Schriftlich ist die Oberschondorfer Pfarrkirche erstmals 1248 bezeugt, als der letzte Andechser Herzog Otto seinen Besitz und auch das Patronatsrecht über die Schondorfer Kirche dem Stift Dießen vermacht. Endgültig dem Kloster Dießen inkorporiert wurde Schondorf 1333. Die Seelsorge sollte wohl durch den Pfarrer von Utting organisiert werden, ehe Oberschondorf in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als eigene Pfarrei organisiert wurde. Zur Pfarrei gehörten neben Oberschondorf die Orte Unterschondorf mit seiner um 1149 erbauten, bis heute weitgehend original überlieferten St. Jakobskirche, Oberwindach und Steinebach. Das Anna-Patrozinium in der Pfarrkirche setzte sich erst um 1870 endgültig durch. Das stete Bevölkerungswachstum, insbesondere die starke Zunahme nach 1945, führte zum Bau der neuen Pfarrkirche Heilig Kreuz 1956/57. Einen eminenten Einschnitt stellt das Jahr 2009 für die katholische Pfarrei mit der Gründung der Pfarreiengemeinschaft Utting-Schondorf dar. Erstmals seit dem 16. Jahrhundert residiert in Schondorf kein Pfarrherr mehr. Erstmals wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine größere Zahl evangelischer Christen in Schondorf ansässig, deren Zahl nach 1945 nochmals zunahm; sie gehören zur 1948 gegründeten evangelisch-lutherischen Pfarrei Dießen-Utting.
Weitere politische Geschichte, auch der jüngeren Zeit
Die am 1.1.1970 zur Gemeinde Schondorf vereinigten Orte Ober- und Unterschondorf besaßen bis Ende 1969 zwei eigenständige Gemeindeverwaltungen, Gemeinderäte und BÜrgermeister, wenngleich die beiden Gemeinden schon in den Jahrzehnten davor bei der Wasserversorgung, im Schulwesen und auch im kirchlichen Bereich zusammenarbeiteten. Mit der GrÜndung des "SÜddeutschen Landerziehungsheims" durch den evangelischen Pfarrer Julius Lohmann 1905 etablierte sich in Unterschondorf eine neue Einrichtung, die seitdem fÜr das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Gemeinde von bemerkenswerter Bedeutung ist. Nach 1933 bestimmten nationalsozialistische Parteimitglieder die Gemeindepolitik. Der in Unterschondorf ansässige NS-Kreisleiter Joachim von Moltke Übernahm zeitweise das BÜrgermeisteramt. Unmittelbar nach Kriegsende requirierten amerikanische Soldaten Villen am See, fÜr drei Wochen besetzten Franzosen die beiden Orte. 1945 wurde im Landheim fÜr kurze Zeit ein Hospital fÜr "Displaced Persons" eingerichtet, die danach nach St. Ottilien ÜberfÜhrt wurden. Die 1950er und 1960er Jahre waren geprägt durch die Verbesserung der Straßenverhältnisse, durch den Ausbau der Wasserversorgung und durch den Bau von Wohnungen fÜr FlÜchtlinge und Vertriebene. Neue Baugebiete wurden erschlossen. Bereits 1950 wurde die in den 1920er Jahren von Toni Ruhr geplante Uferpromenade wieder instandgesetzt und nach Norden erweitert.
Handel, Gewerbe, Wirtschaft
Ober- und Unterschondorf waren Über Jahrhunderte von bäuerlichen Strukturen geprägt. Verschiedene handwerkliche Berufe und - in Unterschondorf - die Fischerei sorgten fÜr den Lebensunterhalt. Oft waren die Unterschondorfer Kleinbauern aber gezwungen, sich ein Zubrot als Hausierer zu verdienen. Dies änderte sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts grundlegend, als der Ammersee fÜr den Fremdenverkehr entdeckt wurde. Der Maler Wilhelm Leibl und der Komponist Hans Pfitzner ließen sich in Schondorf nieder. Um 1830 wurde in Oberschondorf, um 1840 in Unterschondorf eine erste Gastwirtschaft gegrÜndet. Mit der Einrichtung von Dampfschifffahrtslinien auf dem Ammersee 1876 und mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz 1898 nahm der Fremdenverkehr zu. Zahlreiche Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe prägten im 20. Jahrhundert das wirtschaftliche Leben der beiden Gemeinden. Neben der Baufirma Pittrich mit ca. 20 Arbeitsplätzen war die nach 1945 neu angesiedelte Leichtbauplattenfirma Wiehowski und Drexl mit etwa 100 Arbeitern größter Arbeitgeber am Ort (Stand 1961).
Beitrag Kunst - Gebäude
Die einst zum Chorherrenstift Dießen gehörende Alte Pfarrkirche St. Anna in Oberschondorf wurde 1499 errichtet. Der einheitliche spätgotische Bau weist einen mit Strebepfeilern gegliederten Polygonchor auf. Im 17. und 18. Jh erfolgten die barocken Umgestaltungen des Innenraumes; das weithin sichtbare Turmoktogon erbaute man 1716. Der Hochaltar aus Stuckmarmor von Franz Xaver Schmuzer ist 1725 entstanden. - In Seenähe erhebt sich die um 1150 erbaute Filialkirche St. Jakobus im ehemaligen Ortsteil Unterschondorf; sie ist einer der ganz wenigen unverputzt erhaltenen Tuffquaderbauten des Alpenvorlandes. Das Innere besteht aus zwei quadratischen Jochen mit anschließender Apsis. Im Hochaltar von 1660/70 dominiert die Figur des Kirchenpatrons; der skulpturale Schmuck stammt aus der Degler-Werkstatt in Weilheim. FÜr den Raum Über dem Gewölbe ist die Nutzung als Pilgerherberge oder als Fluchtraum vorgeschlagen.
Nach 1900 setzte in Schondorf eine rege Bautätigkeit ein. Zentrum der Bautengruppe des Landheims ist das Haupthaus im Oberlandstil, 1907 von Friedrich von Thiersch erbaut. Die Turm- und Festhalle errichteten Robert Vorhoelzer und Hans Schnetzer. Weiter entstanden Villen und Landhäuser, häufig Gruppenbauten mit Walmdächern und Erkern, nicht selten im Heimatstil. Von den Bauernhäusern des Dorfes haben sich sowohl einige der kleinen Anwesen aus dem 18./19. Jh wie auch eine stattliche Einfirstanlage des 19. Jh erhalten. FÜr den Typus des Schulhausbaus ist das ehem. Schulhaus mit Landwirtschaft von 1813/15 mit noch älterem Kern von Bedeutung.
Ortsmuseen
Zurückgehend auf den Kunstpädagogen Hans Herrmann (1899-1981) präsentiert das "Gestalt-Archiv Hans Herrmann e.V." im Archivhaus wechselnde Ausstellungen aus dem Bereich der Kunsterziehung, des formschaffenden Werkens und der Textilarbeit des 20. Jahrhunderts. Seit 1987 bietet das "Studio Rose" zeitgenössischen KÜnstlern Ausstellungsmöglichkeiten und erinnert an das kÜnstlerische Werk des in Schondorf ansässigen MalerbrÜderpaars Walter (1903-1964) und Heinz Rose (1902-1971).
Bildungseinrichtungen
Erstmals taucht in den Quellen in Oberschondorf um 1650 ein Schulmeister, 1661 ein Schulhaus auf. Im 19. Jahrhundert wurde das neben der Pfarrkirche stehende Schulhaus neu gebaut und mehrmals erweitert. Die wachsenden Einwohnerzahlen nach 1945 machten einen Schulhausneubau zu einem der bestimmenden gemeindepolitischen Themen in den beiden Schondorfer Dörfern. Das neu erbaute Schulgebäude wurde am 5.1.1957 eingeweiht. Die zunehmenden SchÜlerzahlen machten 2005/2006 eine erneute umfangreiche Erweiterung notwendig. Bereits seit den 1970er Jahren betreibt die Gemeinde einen Kindergarten, der in den Jahren 2008/2009 zu einem Kinderhaus (Krippe und Kindergarten) erweitert wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Grundschule und Kinderhaus befindet sich die 1970 eingeweihte staatliche Wolfgang-Kubelka-Knabenrealschule. Das schulische Angebot komplettiert die Stiftung "Landerziehungsheim Schondorf" als Trägerin eines neusprachlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasialinternats mit Tagesheim sowie eines Grundschulinternats. Die Volkshochschule "Ammersee-Nordwest" bietet Kurse aus dem Bereich der Erwachsenenbildung in Schondorf an. Vielfältige Möglichkeiten zur musikalischen Ausbildung fÜr Kinder und Erwachsene offeriert der "Musikschulverein Schondorf e.V."